VR-Ballett von Ricardo Fernando - Staatstheater Augsburg Frida Kahlo hat ihr Leben nicht erzählt – sie hat es gemalt. Immer wieder sich selbst: als verletzten Körper, als Liebende, als widersprüchliche Figur zwischen Stärke und Schmerz. Ihre Bilder sind geprägt von intensiven Farben, Naturmotiven und einer Wirklichkeit, in der sich Realität und Imagination untrennbar verbinden. Die Ballettproduktion »Frida« von Ricardo Fernando folgt diesem Ansatz. Sie erzählt keine lineare Biografie, sondern verdichtet eine Gefühlswelt, in der die Spannungen ihres Lebens aufeinandertreffen: zwischen Lebensfreude und Verletzlichkeit, zwischen Nähe und Einsamkeit, zwischen Schönheit und Schmerz – geprägt von Krankheit, Unfällen und schweren Schicksalsschlägen. »Frida VR« greift diese Konstellationen auf und verschiebt die Perspektive. Die Zuschauer:innen befinden sich nicht mehr vor der Bühne, sondern selbst auf ihr. Die Tänzer:innen kommen so nah, dass sie beinahe greifbar werden. Im Raum werden dabei drei Beziehungen besonders erfahrbar: zu Diego Rivera, ihrem Ehemann und ihrer großen Liebe; zu ihrer Schwester Cristina, geprägt von Nähe und Abhängigkeit; und zum Tod, der als ständiger Begleiter erscheint – nicht nur als Bedrohung, sondern als Gegenüber, das Fridas Leben durchzieht und formt. Sei es, dass Sie die Ballettproduktion bereits kennen – oder dieser Welt hier zum ersten Mal begegnen: Die VR-Erfahrung eröffnet einen unmittelbaren Zugang. Farben, Körper, Figuren und Beziehungen umgeben Sie. Der Blick ist nicht festgelegt: Jede Bewegung verändert die Wahrnehmung, jeder Moment setzt einen eigenen Fokus. Besonders eindrücklich ist ein Moment, in dem Frida beim Malen erscheint: Mit dem Pinsel in der Hand entsteht um sie herum ein Bildraum, in dem vier poetische Wesen in Bewegung treten und ihre Farbspuren hinterlassen – als würde sich das Bild im selben Augenblick formen, in dem wir es sehen. So entsteht eine Erfahrung, die dem Kern von Frida Kahlos Kunst nahekommt: ein Nebeneinander von Innen und Außen, von Realität und Vorstellung, von Schmerz und Ausdruck. »VR Frida« ist keine Nacherzählung der Bühnenproduktion, sondern eine eigenständige Form – ein Raum der Wahrnehmung, in dem sich Fridas Welt auf neue Weise erfahren lässt.